Herzlich Willkommen in St. Martinus Holzheim

Liebe Gemeindemitglieder, liebe Leserinnen und Leser
unserer gemeinsamen Pfarrnachrichten!

Im Monat Elul, da die Menschen ihre Seelen für die Tage des Gerichts bereit machen,
pflegte Rabbi Chajim Geschichten zu erzählen, mit einer Melodie, die alle Hörer zur Umkehr bewegte.
Einmal erzählte er: „Es hat sich einst einer im tiefen Wald verirrt. Nach einer Zeit verirrte sich ein
Zweiter und traf auf den Ersten. Ohne zu wissen, wie es dem ergangen war, fragte er ihn, auf welchem
Weg man hinausgelange. 'Den weiß ich nicht', antwortete der Erste, 'aber ich kann dir die Wege zeigen,
die nur noch tiefer ins Dickicht führen, und dann lass uns gemeinsam nach dem Wege suchen.'“

„Gemeinde!“, schloss der Rabbi seine Erzählung, „suchen wir gemeinsam den Weg!“ Martin Buber
Jeder weiß aus eigener Erfahrung, wie schnell man sich im Alltag in Nebensächlichkeiten verliert,
wie man von Termin zu Termin, von Ereignis zu Ereignis und schließlich von Lebensjahr zu Lebensjahr
 hetzt (oder gehetzt wird) und sich dabei - trotz oder gerade wegen einer Flut von Daten,
Fakten und Begegnungen - seltsam unbefriedigt, ja unerfüllt vorkommt. - Und wieder geht ein Tag
(ein Monat, ein Leben?) vorbei, und wieder stellt sich am Ende die Frage: Was hat mich heute eigentlich erfüllt?
Was ist die Quelle, die mich bereichert und erfreut, was macht mein Leben im Innersten aus?

Wenn die Medien heute keine wirklichen Nachrichten zu vermelden haben, dann blasen sie Kleinigkeiten
auf und verkaufen diese als weltbewegend - eine Strategie, die nur deshalb so erfolgreich ist, weil sie
offensichtlich die Denk- und Lebensweise weiter Teile der Gesellschaft repräsentiert. Und ein Großteil dieser
 Menschen beschäftigt sich offensichtlich am allerliebsten mit den lichten und (noch lieber) dunklen Momenten
anderer, als die eigene Lebensgeschichte ehrlich und gestalterisch in den Blick zu nehmen. Umso wichtiger sind
die Zeiten, in denen der Mensch in seinem Tun und Sein innehält und sich bewusst mit der Frage konfrontiert:
Ist das mein Weg? Ist das mein Leben? Oder ist eine Korrektur – eine Neuausrichtung - angesagt?
Die Fastenzeit möchte so eine Chance für uns sein. Wir sind eingeladen, uns selbst, unser Leben und die
Quellen, aus denen wir leben in den Blick zu nehmen. Sie lädt uns ein, uns Zeit zu nehmen, unser Leben, unser
Beziehungsgeflecht und unsere Verortung im Glauben zu hinterfragen und wenn nötig, Nachjustierungen vorzunehmen.
In einem Pfarrbrief einer anderen Pfarreiengemeinschaft fand ich drei Texte aus dem AT, die als Einstieg zu einem
 Nachdenken entlang der Hl. Schrift einladen. Die Fragen hinter jedem Text könnten eine Anregung sein:

Noomi sagte: Du siehst, deine Schwägerin kehrt heim zu ihrem Volk und zu ihrem Gott. Folge ihr doch!
Rut antwortete: Dränge mich nicht, dich zu verlassen und umzukehren. Wohin du gehst, dahin gehe auch ich,
und wo du bleibst, da bleibe auch ich. Dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst,
da sterbe auch ich, da will ich begraben sein.
Der Herr soll mir dies und das antun -nur der Tod wird mich von dir scheiden.
Rut 1,15-17












 

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